Die Zahl der Leitlinien in der Schmerztherapie steigt seit Jahren kontinuierlich. Sie bieten Hilfestellungen für Ärzte und Patienten bei der Auswahl einer adäquaten Diagnostik und Therapie. Da medizinische Verfahren kontinuierlich weiterentwickelt werden, entsprechen die Empfehlungen zur Diagnose und Therapie stets dem Wissensstand zum Zeitpunkt der Leitlinienveröffentlichung. Die Verantwortung für eine adäquate diagnostische und therapeutische Anwendung sowie die Auswahl der geeigneten Arzneimittel und ihrer Dosierung verbleibt beim behandelnden Arzt. Mit dem Ziel, stets eine patientenindividuelle angemessene Versorgung sicherzustellen, sind Abweichungen von diesen klinischen Empfehlungen möglich und bei Kontraindikationen sogar ein Muss.

 

 

LONTS - S3-Leitlinie zur Langzeitanwendung von Opioiden bei chronischen nicht-tumorbedingten Schmerzen1

Insgesamt 40 Expertinnen und Experten aus 22 Fachgesellschaften sowie Patientenvertreter haben unter Verantwortlichkeit der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V. (DGSS) die S3-Leitlinie „Langzeitanwendung von Opioiden bei chronischen nicht-tumorbedingten Schmerzen (LONTS)” zum zweiten Mal überarbeitet.2 Die aktualisierte LONTS-Leitlinie unterstützt bei der Bewertung der Langzeitanwendung von Opioiden, d. h. jedwede Anwendung von Opioidsubstanzen über drei Monate hinaus. Welche Vorteile und welche Risiken bestehen für die Anwendung opioidhaltiger Analgetika bei chronischen nicht-tumorbedingten Schmerzen wie chronischen somatischen oder neuropathischen Schmerzen? Diese Fragestellungen werden in der Leitlinie nach aktuellem Wissensstand bewertet.

Im Jahr 2009 wurde die erste Version der Leitlinie veröffentlicht. Die 2. Aktualisierung der S3 Leitlinie steht seit 2020 zur Verfügung (AWMF-Registernummer 145-003).1

 

 

„Leitlinie Schmerzbegutachtung“ – S2k-Leitlinie für die ärztliche Begutachtung von Menschen mit chronischen Schmerzen3

Die Begutachtung von Menschen mit chronischen Schmerzen ist schwierig, da Schmerzen und eine Schmerzerkrankung objektiv nur schwer nachweisbar sind. Oft besteht eine Diskrepanz zwischen dem Ausmaß der beklagten Beschwerden und den funktionellen Einschränkungen einerseits und den objektiven Ergebnissen diagnostischer Maßnahmen und den klinischen Befunden andererseits. Die Begutachtung von Schmerzen ist daher eine interdisziplinäre ärztliche Aufgabe, die eine besondere Kompetenz zur Beurteilung körperlicher und psychischer Störungen erfordert.

Ziel der S2k-Leitlinie „Schmerzbegutachtung”, die unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Neurowissenschaftliche Begutachtung (DGNB) verfasst wurde, ist es, die Qualität bei der Begutachtung von Menschen mit dem Leitsymptom chronischer Schmerz zu sichern. Sie basiert auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Schmerzentstehung, Schmerzverarbeitung und Schmerzchronifizierung.

Die Leitlinie wurde 2005 erstmals erstellt und zuletzt 2017 überarbeitet (AWMF-Registernummer 094-003).3

 

 

S1-Leitlinie „Chronischer Schmerz“4

Etwa 20 % der Patienten in Hausarztpraxen haben chronische Schmerzen. Häufig sind mehrere Körperregionen gleichzeitig betroffen. Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin e.V. (DEGAM) richtet sich mit ihrer S1-Leitlinie „Chronischer Schmerz“ insbesondere an Hausärzte.

Gegenstand der Leitlinie ist es, eine Empfehlung bzw. einen Therapiealgorithmus für chronische Schmerzpatienten zu geben. Dabei wird ein multimodales Behandlungskonzept unter Berücksichtigung diagnostischer, hausarztspezifischer Hilfsmittel ausgewiesen. Häufige Krankheitsbilder und Fragestellungen aus der hausärztlichen Praxis im Zusammenhang mit chronischen Schmerzen werden im Speziellen aufgeführt. So wird auf neuropathische Schmerzen, arthrosebedingte, muskuloskelettale Schmerzen sowie auf Fibromyalgie eingegangen. Dabei werden jeweils weiterführende Leitlinien als Hilfestellung ausgewiesen.

Die erstmals 2013 veröffentlichte Leitlinie wird derzeit überarbeitet (AWMF-Registernummer 053-036).4

 

 

S2k-Leitlinie „Diagnose und nicht interventionelle Therapie neuropathischer Schmerzen“5

Ziel dieser Leitlinie ist eine Optimierung der Behandlung chronischer neuropathischer Schmerzsyndrome. Die konsensbasierte S2k-Leitlinie zählt zu den „Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie“ der Deutschen Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN). Sie wendet sich an Ärzte und Schmerztherapeuten, die im ambulanten oder stationären Bereich Patienten mit neuropathischen Schmerzen behandeln, insbesondere Neurologen, Schmerztherapeuten sowie Anästhesisten. Die erstmals 2005 veröffentlichte Leitlinie wurde zuletzt 2019 überarbeitet und 2020 um einen Warnhinweis zu Pregabalin / Gabapentin ergänzt (AWMF-Registernummer 030-114).5

 

 

 

Stand des Artikels: 12/2020; bitte informieren Sie sich ggf. über neuere Entwicklungen.

 

 

 

Referenzen

  1. Häuser, W.: 2. Aktualisierung der S3 Leitlinie „Langzeitanwendungen von Opioiden bei chronischen nicht-tumorbedingten Schmerzen (LONTS)“. Der Schmerz 2020; 34, 204-244. https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/145-003.html, zuletzt aufgerufen in 12/2020.
  2. Deutsche Schmerzgesellschaft e.V.: Pressemeldung: Deutsche Schmerzgesellschaft aktualisiert S3-Leitlinie „LONTS“ - Langzeitanwendung von Opioiden bei nicht tumorbedingten Schmerzen. 05.12.2019. https://www.schmerzgesellschaft.de/topnavi/news-presse/pressemeldungen/pressemeldung-einzelansicht?tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Bnews%5D=805&cHash=3b4862bbeb249598b9df5a94b28737a7, zuletzt aufgerufen in 12/2020.
  3. Widder, B. et al.: 4. Aktualisierung der „Leitlinie Schmerzbegutachtung“ – S2k-Leitlinie für die ärztliche Begutachtung von Menschen mit chronischen Schmerzen. Stand: 07.11.2017. https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/094-003.html, zuletzt aufgerufen in 12/2020.
  4. Becker, A. et al.: S1-Leitlinie „Chronischer Schmerz“. Stand: 30.09.2013 (in Überarbeitung). https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/053-036.html, zuletzt aufgerufen in 12/2020.
  5. Schlereth, T. et al.: S2k-Leitlinie „Diagnose und nicht interventionelle Therapie neuropathischer Schmerzen“. Stand: 01.05.2019. https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/030-114.html, zuletzt aufgerufen in 12/2020.
×

Ask Speakers

×

Medical Information Request